Dresden – Altstadt mit Rollstuhl erkunden

Die sächsische Landeshauptstadt Dresden ist auch als „Elbflorenz“ bekannt und hat diesen Ehrennamen gewiss verdient. Mit diesem Titel sollte ursprünglich vor allem auf die Kunstsammlungen sowie die Architektur dieser Stadt hingewiesen werden. Inzwischen gibt es jedoch viele weitere Berührungspunkte mit der Hauptstadt der Toskana. Dresden ist ebenfalls sehenswert und als Reiseziel bekannt. Zudem ist Dresden auch das „Tor zur Sächsischen Schweiz“, einer landschaftlich unvergleichbar schöne Landschaft im Tal der Elbe.

Eine Fahrt nach Dresden kann als Reisender mit Rollstuhl mit einem Auto oder dem Zug antreten. Die beiden wichtigsten Bahnhöfe der Stadt, der Hauptbahnhof und der Bahnhof Dresden Neustadt sind auf Gäste mit Rollstuhl eingestellt. Das Auto sollte man in der Stadt ohnehin besser stehen lassen. Mit den Niederflurfahrzeugen sowie der relativ großen Anzahl angepasster Haltestellen ist die Straßenbahn eine gute Alternative. Außerdem gibt es in den Wagen eine Sprechverbindung mit dem Straßenbahnführer – wer an einer nicht angepassten Haltestelle aussteigen möchte, kann das dem Schaffner sagen und die mobile Schräge wird angelegt. Weitere Informationen dazu sowie einen Haltestellen-Atlas mit den angepassten Haltestellen sind in den Kundenzentren in der Stadt zu bekommen und im Internet herunter zu laden.

In Dresden gibt es so viele Sehenswürdigkeiten, dass ein Besuch eigentlich immer mit der Frage beginnt: Wo fange ich an ? Wer Dresden bisher überhaupt nicht kennt, für den gibt es seit dem Jahr 2015 eine neue Möglichkeit, sich einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu verschaffen – die Stadtrundfahrt. Bei dem Busanbieter gibt es jetzt ein Fahrzeug, das speziell für Fahrgäste mit Rollstuhl umgebaut wurde. Die zweistündige Rundfahrt ist eine gute Möglichkeit, sich Sehenswürdigkeiten auszusuchen, die man später näher kennen lernen möchte, oder zu entscheiden, welche Außenbezirke der Stadt man wegen zu enger Bürgersteige oder für Rollstuhlnutzer unpassende Steigungsstrecken besser aus dem eigenen Besuchsprogramm streicht.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Stadt einfach von irgendeinem Ende aus, zum Beispiel vom Hauptbahnhof aus, zu erkunden. Wer den Bahnhofsvorplatz überquert, der ist schon in der Prager Straße, die von dort aus in die Altstadt führt. Sie ist mit ihren Hotels und Hochhäusern selbst als Sehenswürdigkeit bekannt. Jetzt nur noch den Ring überqueren und schon ist es bis zum Altmarkt nicht mehr weit. Das funktioniert auch vom Bahnhof Neustadt aus – über den Schlesischen Platz zum Albertplatz, die Hauptstraße entlang und schon steht man am „Goldenen Reiter“. Die nächste Straße noch überqueren und man hat einen unvergesslichen Blick über die Augustusbrücke auf die Altstadt, die Semper Oper, die Hofkirche, das Schloss, die Brühlsche Terrasse – fast so wie Canaletto es gemalt hatte.

Ist man hier angekommen, dann wird aber dennoch eine individuelle Entscheidung über die Sehenswürdigkeiten, die man besuchen möchte, unumgänglich. Wer in der Nähe des Theaterplatzes, der Augustusbrücke oder der Brühlschen Terasse ist, könnte mit der Hofkirche beginnen. Sie ist vom Theaterplatz aus problemlos mittels Lift erreichbar – ein Euroschlüssel öffnet die unscheinbare Tür an der Seite der Straßenbahnhaltestelle. Das Neue Grüne Gewölbe im Schloss ist ebenerdig zugänglich. Um den Zwinger als Rollstuhlnutzer zu besuchen, sollte man sich entscheiden, auf welcher Seite des Rundbaus man welches Museum sehen möchte. Dazu gibt es im Innenhof einen Übersichtsplan. Das Glockentor des Zwingers beherbergt zwei Fahrstühle mit welchen man in den entsprechenden Teil des Rundbaus gelangt.

Auch wer als Dresden-Besucher mit Rollstuhl nicht unbedingt einkaufen möchte, sollte sich jedoch die „Altmarkt-Galerie“ am Altmarkt gut merken. Hier gibt es neben den ebenerdig zugänglichen Geschäften ebenso mehreren Restaurants sowie Toiletten für Rollstuhlnutzer, die ansonsten in der Altstadt nicht besonders zahlreich vorhanden sind. Gegenüber dieses Einkaufszentrums steht die Kreuzkirche. Sie ist mittels Schräge problemlos zugänglich.

Selbstverständlich sollte man auch in der Frauenkirche gewesen sein. An den Eingängen „A“ und „G“ gibt es für Besucher mit Rollstuhl Hebebühnen, um in das Innere gelangen zu können. Direkt am Neumarkt steht auch das Johanneum, in dem sich das Verkehrsmu-seum befindet. Es ist komplett ebenerdig zugänglich. Verlässt man den Neumarkt an der Frauenkirche über die Augustus- oder Töpferstraße, dann sollte man sich auf jeden Fall Zeit für den Fürstenzug in der Augustus-straße nehmen und den dahinterliegenden Stallhof nicht aussparen.

Das alles ist kaum an einem Tag zu besuchen und man muss sich zwischendurch natürlich auch einmal stärken oder etwas Ruhe genießen und Luft holen. Wer eine Gaststätte sucht, wird zwischen Prager Straße, Altmarkt und Neumarkt sicherlich schnell ein Restaurant finden, das ebenerdig zugänglich ist. Die Palette der Möglichkeiten ist breit, von argentinischem Restaurant, deutscher Küche, einem mexikanischen oder russischen Restaurant bis zu den Genüssen Südafrikas ist alles vorhanden. Falls es ein Restaurant ohne Toilette für Besucher mit Rollstuhl ist, dann ist an den Wochentagen der Weg bis zur „Altmarkt-Galerie“ ja nicht sehr weit. Wer etwas Besonderes sucht, könnte das Restaurant „Schwerelos“ am Hauptbahnhof oder das „Dresden 1900“ am Neumarkt für einen Stärkungsaufenthalt auswählen. Wer nach langem Spaziergang auf der Brühlschen Terrasse ausruhen möchte, sollte den Weg zum „Albertinum“ suchen – hier gibt es gibt es ein ebenerdig zugängliches Café und für Rollstuhlfahrer den einzigen Weg zu dieser Terrasse. Und falls nach dem Trubel der Altstadt insgesamt etwas mehr Ruhe gewünscht ist, dann kann man von der Kreuzkirche aus über den Georgplatz auf die andere Seite der viel befahrenen Sankt-Petersburger-Straße wechseln. Von dort aus gelangt man zum Lingnerplatz wo sich das vorbildlich zugängliche Hygienemuseum befindet. Dem schließt sich dann der „Große Garten“ mit seinen Parkanlagen und dem Zoo an – viel Ruhe mitten in der Großstadt.

Die Zeit vergeht sehr schnell und es gäbe noch viel zu sehen: Das Stadt-museum, die Staatliche Kunstsamm-lung „Albertinum“, die Automobil-manufaktur und noch viele weitere Museen laden zum Besuch ein. Ebenso sollte nicht auf eine Fahrt mit der „Weißen Flotte“ durch das landschaftlich schöne Elbtal verzichtet werden. In Abhängigkeit vom Wasserstand der Elbe könnte Hilfe erforderlich werden, um an Bord gelangen zu können, Platz für Passagiere mit Rollstuhl bieten jedoch mehrere Schiffe – am besten anrufen und nachfragen, welches Schiff auf der gewünschten Route fahren wird.

Einen  ganzen Tag mit dem Rollstuhl in der Altstadt von Dresden unterwegs – das geht nicht so ganz, ohne etwas geschüttelt zu werden. Insgesamt sind die Strecken der Innenstadt jedoch gut zu befahren und es gibt mit Platten belegt Spuren. Meiden sollte man aber den Altmarkt, die Münzgasse (von der Frauenkirche zum Terrassenufer) und den Abschnitt unterhalb des Terrassenufers entlang der Elbe – dort ist einfach zu viel Kopfstein.

Details zu passenden Unterkünften oder bezüglich der Zugänglichkeit von Sehenswürdigkeiten können auf den Seiten von der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen und der Rubrik „Sachsen Barrierefrei“ nachgelesen werden.