Südböhmen – Die Region Lipno – ein Paradies für Aktive

Südböhmen ist eine der 14 Regionen Tschechiens und umfasst den südlichen Teil Böhmens sowie einen kleinen Zipfel der historischen Landschaft Mährens und grenzt unmittelbar an Deutschland und Österreich. Verwaltungssitz und größte Stadt Südböhmens ist České Budějovice (Budweis). Die nächstgrößeren Städte in den Nachbarländern sind das niederbayrische Passau sowie die Landeshauptstadt von Oberösterreich, Linz. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten im südlichsten Zipfel dieser Region gehören die Kleinstadt Český Krumlov (Böhmisch Krumau an der Moldau) und die kleine Gemeinde Lipno nad Vltavu (Lippen an der Moldau). In wunderschöner hügeliger Landschaft mit viel Wald und dem 42 Kilometer langem Lipno-Stausee finden Besucherinnen und Besucher hier sowohl in Český Krumlov eine historische Altstadt, die als Kulturdenkmal auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht, viele Wanderwege entlang des Stausees bis hin zu einem Paradies für Aktive in Lipno – und das dort auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Allgemeine Informationen zur Region Lipno, den einzelnen Orten dieses Landstrichs, der Breite der Angebote sowie auch praktische Tipps sind auf der Internetseite der Region Lipno nachzulesen.

Für mobilitätseingeschränkte Besucher ist die Region Lipno wegen ihres Geländeprofils nicht ohne Schwierigkeiten. Um die guten Möglichkeiten sowie die Schwierigkeiten etwas zu beschreiben, wurden für „Barrierefreier Tourismus Info“ Reiseziele ausgewählt, die im Folgenden etwas beschrieben werden.

Blick von einer Terrasse an der Horní Straße auf das Schloss und die Kirche Sankt Jost

Blick von einer Terrasse auf das Schloss und die Kirche Sankt Jost

Český Krumlov (Böhmisch Krumau an der Moldau) ist eine Stadt mit vielen Gesichtern – weithin sichtbaren Kirchen, einer Burg mit Schloss, einer historischen Altstadt, welche zugleich UNESCO-Weltkulturerbe ist, einem Kloster, Ausstellungen und Museen sowie vielen, vielen Möglichkeiten für schöne Stunden und unvergessliche Erlebnisse.
Für mobilitätseingeschränkte Besucher ist die Stadt insgesamt ein schwieriges Gelände, obwohl es an vielen Stellen abgeschrägte Bordsteine oder Schrägen gibt, Behindertenparkplätze und öffentliche Toiletten für Besucher mit Rollstuhl zur Verfügung stehen, ist das Pflaster in der Altstadt schwierig und stellenweise nur mit Hilfe gut zu befahren. Hinzu kommen verhältnismäßig große Höhenunterschieden auf dem Gelände der Stadt. Wer also als Besucher mit Rollstuhl in diese Stadt reist, sollte sich vor allem und zuerst von der Touristinformation am Náměstí Svornosti (Platz der Einigkeit) den Stadtplan „Český Krumlov bez bariér“ (Böhmisch Krumau ohne Barrieren) oder den Stadtführer „Český Krumlov – průvodce pro handicapované“ (Böhmisch Krumau – Stadtführer für Menschen mit Handicap) besorgen. Beide Materialien enthalten Karten mit farblich gekennzeichnete Wege, die zeigen, welche Strecken man mit Rollstuhl meiden sollte (rot) und welche man entspannt genießen kann (grün). Die Mehrzahl der Straßen der Altstadt wurden „gelb“ gekennzeichnet – also selbst entscheiden, ob das noch geht, oder besser nicht. Zu empfehlen sind jedoch ein Spaziergang entlang der Moldau im Stadtteil Latrán ebenso wie ein Besuch des Klostergartens oder ein Bummel im Schlossgarten oder im Stadtpark. Hinsichtlich eines Besuches des Schlosstheater, der Alten Münze oder einer Ausstellung beziehungsweise eines Museums, kann sich dann jeder selbst entscheiden – die dazu notwendigen Angaben über die Barrierefreiheit sind auf den genannten Plänen enthalten.

Am „Langen Platz“ mit einem Blick auf das Hotel „Maxant“

Frymburk nad Vltavu (Friedberg an der Moldau) Im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Kleinstadt, welche bereits im 14. Jahrhundert das Marktrecht erhielt und jetzt vor allem Erholungsort ist. Das Gebiete der Stadt liegt auf einem zum Stausee hin abschüssigen Gelände. Für mobilitätseingeschränkte Besucher bietet es sich an, die Stadt bei einem Spaziergang nur in jenem Teil zu erkunden, der zwischen Hauptstraße (Tankstelle) und dem Seeufer liegt. In der Nähe der weithin sichtbaren Kirche befindet sich der „Lange Platz“ mit mehreren Hotels und Restaurants sowie Lebensmittelgeschäften. Auch einen Bankomat gibt es hier. Sie sind alle, wie auch das Gasthaus an der Hauptstraße, schwellenfrei zu erreichen. Entlang des Ufers lädt ein gut ausgebauter Radweg zu einem Spaziergang mit Rollstuhl ein. Zwischen der Schule, den Damm der Straße und der Straße in Richtung Lipno gibt es nur an einzelnen Stellen Abschnitte mit so starkem Gefälle / starker Steigung, welche voraussichtlich etwas Schiebehilfe notwendig macht. Außerhalb dieses Abschnittes muss man auf Steigungen mit hohem Neigungswinkel eingestellt sein. Im oberen Teil dieses langen Platzes befindet sich auch das Hotel „Maxant“, ein kleines familiengeführtes Hotel, mit Restaurant, Café sowie einem breiten Wellness-Angebot. Auch dieses Hotel mit seinem Café ist ebenerdig zugänglich. Zudem sind zwei der insgesamt 24 Gästezimmer für Gäste mit Rollstuhl gut ausgestattet. Informationen zu Hotelzimmern und Restaurants bietet die Internetseite der Stadt Frymburk. Weitere barrierefreie Unterkünfte sind über die deutschsprachige Internetseite des Informationszentrum Lipno zu finden.

Die rechte Seite des Platzes am Rathaus von Horní Planá

Horní Planá (Oberplan) ist eine kleine Stadt mit etwas mehr als 2.000 Einwohnern am linken Ufer des Lipno-Stausee. Das Gebiet der Stadt erstreckt sich in einer Höhe von 726 bis 914 Meter über Null aus – ist zum Lipno-See hin abfallend und – wichtig für Besucher mit Rollstuhl: mit einem Höhenunterschied von fast 200 Metern am Hang gelegen. Der Besuch in dieser Stadt sollte deshalb mit einer Stippvisite bei der Touristinformation beginnen. Sie befindet sich gemeinsam mit der Bücherei am Beginn der Komenskeho-Straße (in der Nähe der weithin sichtbaren Kirche) und ist mit Rollstuhl vom daneben liegenden Parkplatz aus ebenerdig zu betreten. In diesem Informationsbüro gibt es einen Stadtplan, in dem die Radwege eingezeichnet sind. Diese Wege bieten Besuchern mit Rollstuhl die Möglichkeit, ausgedehnte und entspannte Spaziergänge entlang des Stausees zu unternehmen. Angebracht ist, anschließend mit dem Auto die Jiráskova-Straße entlang zum Parkplatz am Caravan Camp zu fahren und von dort aus einen der nördlich und südlich abzweigenden Radwege zu nutzen. Wer sich für den nördlich führenden Weg entscheidet, gelangt vorbei am Bahnhof nach 1,5 Kilometern zu einem Campingplatz, der unter dem Namen „U kukačků“ (Beim Kuckuck) bekannt ist. Unmittelbar am Campingplatz lädt hier das ebenerdig zugängliche Bistro-Café „DaJa“ zu einer erholsamen Rast bei hausgemachter Küche ein.

Lipno nad Vltavu (Lippen an der Moldau) Die kleine Gemeinde in Südböhmen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem modernen Zentrum des Tourismus mit Wassersport-, Radfahr- und Wanderangeboten für die warme Jahreszeit sowie zwölf Kilometer langen Pisten für den familienfreundlichen Wintersport entwickelt. Ein Besuch in diesem Ort ist für aktive Menschen mit Mobilitätseinschränkungen von besonderem Reiz, denn Lipno hatte im Jahr 2013 den Europäischen Preis der Europäischen Kommission für barrierefreies Reisen erhalten.
Detaillierte Auskünfte und Informationspläne zur Gemeinde sind im Infozentrum zu bekommen. Dieses Büro ist über den Weg an beiden Enden des davor befindlichen Parkplatzes ebenerdig zugänglich.

Blick von unten auf den zwischen den Nadelbäumen zu sehenden, hoch aufragenden Baumwipfelpfad

Blick auf den Baumwipfelpfad

Die von Weitem sichtbare Sehenswürdigkeit von Lipno ist der Baumwipfelpfad. Er thront hoch über dem Wald auf der Spitze eines Berges. Wer ihn besucht, sollte zum großen Parkplatz fahren. Hier gibt es in der Nähe des Supermarktes Behindertenparkplätze sowie eine Kasse (Aufschrift „Pokladna“) wo Eintrittskarten zu allen Sehenswürdigkeiten zu bekommen sind (nur in den warmen Jahreszeiten, nicht im Winter). Zumindest für den Weg hinauf zum Baumwipfelpfad sollte man den Bus nehmen (Fahrt mit Privat-Pkw ist nicht gestattet). Die Haltestelle befindet sich an der Einfahrt zum großen Parkplatz und ist durch ihre Höhe sowie die Schrägen zur Auffahrt leicht zu finden. Auch die Haltestelle am Baumwipfelpfad ist für Besucher mit Rollstuhl ebenerdig gestaltet. Zugang zum Wipfelpfad sowie der 675 Meter lange Weg auf dem Pfad entsprechen bis zur vorletzten Etage auch deutschen Normen (Steigung nicht mehr als sechs Prozent). Von der vorletzten Etage aus gelangt man mit dem Rollstuhl mittels Treppenlift auf den obersten Rundweg in 40 Meter Höhe. Der Lift wird von einem Mitarbeiter bedient. Eine individuelle Anmeldung zum Nutzen des Treppenlift ist nicht erforderlich, das wird von den Mitarbeitern am Eingang organisiert. Aus dieser Höhe bietet sich dann ein unvergesslicher Rundblick über den Lipon Stausee auf den umliegenden Böhmerwald, das Gratzener Bergland und, bei klarer Sicht, bis zu den Alpen.
Auf der Bergkuppe am Wipfelpfad gibt ein Imbiss-Restaurant, das mittels einer Schräge gut zugänglich ist. An diesem Gebäude steht ebenfalls eine Toilette für Gäste mit Rollstuhl zur Verfügung.

Blick vom Baumwipfelpfad auf Lipno und den Lipno-Stausee

Weitere Angebote für mobilitätseingeschränkte gibt es an der Marina. Bei der Verleihstelle am Hafen (Intersport Rent Lipno Kapitanát) könnten sich die unternehmungslustigen Urlauber Tandem-Fahrräder oder ein Handbike ausleihen, beziehungsweise ein Elektroboot mieten, das führerscheinfrei (auch von Rollstuhlnutzern) zu fahren ist.

Entspannend ist hier in Lipno zudem ein Spaziergang entlang den Ufern des Stausee – vom Hafen bis weit hinter dem Anleger des Fahrgastschiffes (nur für gehfähige Passagiere) ist der asphaltierte Radweg hier ohne größere Steigung- oder Gefälleabschnitte. Und noch etwas Besonderes: In der Höhe der Slipanlage für die Fahrgastschiffe gibt es eine Angelstelle für Angler mit Rollstuhl. Vom Radweg aus geht es dorthin zwar fast zwanzig Meter recht steil bergab, aber man kann auch mit dem Auto direkt zum Angelplatz fahren, ein ausgewiesener Parkplatz steht zur Verfügung. Weitere Informationen zu den barrierefreien Angeboten in Lipno, einschließlich barrierefreier Übernachtungsangebote sind bei „Lipno Info“ zu erfahren.

Südböhmen ist mit dem Auto über die Autobahnen und Landstraßen sowohl von Deutschland als auch von Österreich ohne größere Schwierigkeiten einfach zu erreichen. Die Fahrt auf den meisten Autobahnabschnitten ist in Tschechien mautpflichtig. Weitere Einzelheiten können dazu auf der Internetseite der Tschechischen Fernstraßenverwaltung nachgelesen werden.
Mobilitätseingeschränkte Reisende, die mit dem Auto fahren und Inhaber einer Europäischen Behindertenparkkarte sind, sollten bedenken, dass es in der Tschechischen Republik nicht im gleichen Umfang Regelungen für Parkkonzessionen für Menschen mit Behinderungen wie in Deutschland gibt. Im Grunde genommen ist nur das Nutzen von mit dem Rollstuhl-Symbol gekennzeichneten Parkflächen möglich. Zudem ist zu bedenken, dass die Europäischen Behindertenparkkarte noch nicht überall so bekannt wie in Deutschland. Deshalb empfiehlt das Tschechische Tourismusbüro, folgende Information mit einer Erklärung in tschechischer Sprache auszudrucken und bei Nutzung der Behindertenparkkarte im Auto mit auszulegen. Zugleich ist zu beachten, dass auch für Inhaber von Behindertenparkkarten Kostenpflichtigkeit und zeitliche Begrenzungen gelten. Allerdings können mit Behindertenparkkarte bestimmte Verkehrsschilder missachtet werden.

Auch eine Anreise mit dem Zug ist möglich. Zugverbindungen lassen sich leicht im Internet finden. Mobilitätseingeschränkte Reisende können Serviceleistungen bei der Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn oder auf den Internetseiten der Tschechischen Bahn in deutscher Sprache nachlesen und bestellen. Für eine Weiterfahrt vom Bahnhof sollte aber ein Shuttle vorbestellt werden. Der Nahverkehr in Tschechien ist insgesamt nicht barrierefrei.

Alles in allem sind keine weiteren Vorbereitungen für einen Besuch in der Tschechischen Republik erforderlich. Allgemein kann in Restaurants und Hotels sowie in den Supermärkten und anderen Geschäften mit EC- oder Kreditkarte bezahlt werden. Lediglich kleinere Geldbeträge in Landeswährung sind angebracht (Toiletten-Nutzung zehn Kronen und ähnliches). Ebenso ist es nicht unbedingt notwendig, Tschechisch zu sprechen. In touristischen Bereichen wie auch in der Gastronomie wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem breiten Umfang Deutsch, oder von jüngeren Mitarbeitern Englisch, gesprochen.

(September 2019)